Danke, ihr seid nicht alleine- an alle Frauen da draußen, die das Leben während Corona meistern

Aktualisiert: März 7


Homeschooling, Mental Load, Homeoffice, Pandemie, Einsamkeit, Kontaktverbote und -vermeidung, Impfung - Begriffe, die wir jeden Tag hören, die seit Monaten unser Leben prägen. Zurück zur Normalität, ein

Wunsch aller. Große Hoffnungen werden in die Impfungen gesetzt.


Zum Weltfrauentag möchte die Frauen Union „Danke“ sagen. „Danke“ an alle

Frauen, die in der Coronakrise über sich hinauswachsen und die

Krisensituation besonders meistern. Davon gibt es viele, die wir in der

Öffentlichkeit gar nicht wahrnehmen, die hinter verschlossenen Haustüren

ihre Wege gehen und den ganz normalen Alltag bewältigen.


Hier sind Beispiele von Kaarster Frauen, wie sie die Coronakrise erleben.


Julia, 18 Jahre, Auszubildende, beschreibt, dass die theoretischen Teile ihrer

Ausbildung via Onlinekonferenzen stattfinden und der Kontakt zu den

Kommilitonen fehlt. Sie sagt dazu: „Die Onlinelehre belastet enorm, da die

Routine fehlt und die Konzentration nachlässt. Man fühlt sich auf irgendeine

Art und Weise allein gelassen, obwohl die Betriebe natürlich den Umständen

entsprechend alles dafür tun, um für uns da zu sein.“ Der praktische Teil ihrer

Ausbildung wurde verkürzt und unter schweren Auflagen durchgeführt.

Über ihr privates Leben berichtet sie: „Auch auf

Freundschaften/Bekanntschaften wirkt sich der Coronalockdown aus. Ich

treffe mich seit dem Lockdown regelmäßig nur noch mit einer Freundin. Das

Thema Familie finde ich sehr traurig. Durch die Pandemie sehe ich meine

Großeltern noch weniger als vorher.“

Brigitte, ehrenamtliche Geschäftsführerin des Kunstcafes Einblick erklärt:

„Nicht arbeiten zu dürfen ist für Menschen mit Handicap eine große

Herausforderung, denn ohne das tägliche „Fördern und Fordern“ gehen

erworbene Fähigkeiten schnell wieder verloren. Außerdem sind wir ein

Inklusionsprojekt mit dem Ziel beeinträchtigte und benachteiligte Menschen

in die Gesellschaft zu integrieren, diesen wichtigen Auftrag können wir nun

seit einem Jahr nicht nachkommen, im Gegenteil, seit der Coronakrise finden

Menschen mit Handicap noch weniger Beachtung. Sie benötigen ihre Arbeit

auch, um zu erfahren, dass sie eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft

wahrnehmen.“


Nina, 31 Jahre, Bildungsreferentin und Mutter von 2 Kindern, konnte

coronabedingt kaum in Präsenz arbeiten. Was sie aber bemerkt hat und was

ihr große Sorgen bereitet: „Fast alle jungen Mütter, die unter Coronabedingungen ihre Kinder geboren haben, waren zwar verständnisvoll, aber doch stark belastet, durch die Vorsorgen, zu denen sie nur alleine gehen durften, besonders aber durch die Zeit in der Klinik, in denen sie nur sehr begrenzt Unterstützung durch die Väter ihrer Kinder erfahren konnten. Einige

Frauen fühlen sich dadurch in dieser sensiblen Zeit allein und ausgeliefert,

was Traumata begünstigt.“


Nadine, 36 Jahre alt, Fachschwester für Anästhesie und Intensivpflege,

Mutter von drei pubertierenden Jungen, dass das letzte Jahr für sie

kräftezehrend war. Ihre Kinder gehören zur Risikogruppe. Die Unterstützung

für einen ihrer Söhne durch den Pflegedienst entfiel, weil das zuständige Amt

Zuhause keine Integration bezahlt. Ein Ämter- und Pflegekassenkrieg begann.

Ihre Arbeit auf der Station beschreibt sie mit den Worten: „Ein unbekanntes

Virus, viele schwerstkranke Menschen und Arbeit bis über beide Arme.

Ich liebe meinen Job wirklich, aber im letzten Jahr habe ich so oft darüber

nachgedacht diesen an den Nagel zu hängen.“


Sandra, 43 Jahre, Inhaberin einer Praxis für Podologie, meistert ihren Alltag

als Frau in Zeiten dieser Pandemie vor allem mit Geduld, Einfallsreichtum und

viel Humor. Sie stellt sich selbst bei unzähligen Dingen hinten an, weil es so

viel gibt, um das sie sich kümmern muss. „Meine Praxis und Angestellte,

Homeschooling, meine Mutter, mein Mann im Homeoffice. Ich baue alles

darum herum. Mit einer trotzdem positiven Grundhaltung und kleinen

Highlight, wie einem feinen Essen aus einer unserer tollen Gastronomien am

heimisch hübsch gedeckten Tisch.“


Dagmar, im Ruhestand, 70 Jahre, alleinlebend, berichtet, dass der 1.

Lockdown schon ihre Kontakte mit Sportgruppe, der Kartenspielgruppe,

Theater- und Kabarettbesuche sowie Reisen verhinderte. Ihre Kontakte mit

der Familie fanden überwiegend telefonisch statt, weil ihre Töchter

vermeiden wollten, dass sie an Corona erkrankt. „Meinen runden Geburtstag

habe ich im letzten Jahr mit einer meiner Töchter, die in der Nähe wohnt,

verbracht. Im Sommer besuchte ich die Familie meiner Tochter, konnte aber

leider die Einschulung meines Enkels nicht erleben, weil die Großeltern nicht

dabei sein durften. Ich war zu Weihnachten und Sylvester alleine. Meinen

Enkel habe ich seit 6 Monaten nur über Facetime sehen und sprechen

können.“ Seit einem Jahr sind Spaziergänge über die naheliegenden Felder

oder durch den Vorster Wald ein wichtiger Beitrag zu ihrer Gesundheit

geworden. Einzig und allein ihre ehrenamtlichen Kontakte (telefonisch, durch

Zoom und per Email) brachten Struktur in ihren Tagesablauf, lenkten sie ab

und forderten sie.


Rita, 39 Jahre, Lehrerin in Teilzeit, Mutter von einem fast 2 jährigen Sohn

und wieder guter Hoffnung erzählt, dass sie die Pandemiezeit in Deutschland

als gesellschaftlich und politisch sehr ernüchternd und mit großer Sorge, aber

auch Hoffnung für die Zukunft unserer Kinder erlebt.

„Ernüchternd finde ich die Tatsache, dass soziale Ungerechtigkeiten durch

zum Teil notwendige politische Entscheidungen verstärkt wurden. Regeln der

Kontaktbeschränkungen, teilweise Wegfall der institutionellen sowie privaten

Betreuungsmöglichkeiten, aber vor allem die Einschränkungen möglicher

Aktivitäten sind für Kinder, die in Einfamilienhäusern mit großem Garten

aufwachsen dürfen, wesentlich einfacher zu verkraften als für Kinder, die mit

vielen Personen auf engem Raum leben müssen. Die Familienzuzahlungen

der Bundesregierung sind gut gemeint, aber Geringverdienende können

damit nicht im Ansatz den finanziellen Verlust durch Kurzarbeit und

gleichzeitiger Fortzahlung von Kita-Gebühren, Essensgeld und

Eigenbetreuung der Kinder auffangen. Diese wiederum wird meiner

Erfahrung nach meisthin von den Müttern organisiert. Ob im Kleinkindalter

der Wohnraum oder der Garten zum Spiel- und Sportplatz umfunktioniert

wurde, täglich gemalt, gebastelt und vorgelesen wird oder später das

Homeschooling begleitet und unterstützt wird, während parallel der Haushalt

geführt und die Telefonkonferenz oder der Online-Unterricht vorbereitet und

gehalten wird. Auch Väter, die sich in dieser Zeit an der neuen

Familienorganisation beteiligen, sehe ich zunehmend belastet und einem

unglaublichen Stresslevel ausgesetzt.“ Sie sieht Kinder, die darunter leiden, dass ihnen der gewohnte Alltag weggebrochen ist, dies gilt vielleicht nicht für alle, aber jedes Kind, dass

leidet, ist eines zu viel.

Ihre Hoffnung ist, dass sowohl die Politik als auch die Gesellschaft in

Deutschland die richtigen Lehren aus dieser Corona-Krise treffen.

Hygienemaßnahmen, wie Luftfilter und Desinfektionsmöglichkeiten, sollten

zur langfristigen Prävention in jedem Betrieb und in jeder Schule

verpflichtend werden. Die Digitalisierung sollte endlich effizient und

datenschutzrechtlich positiv und flächendeckend in allen gesellschaftlichen

Bereichen eingesetzt werden, immer dort wo es sinnvoll den Alltag

erleichtert. Unsere Arbeitsbedingungen, wie Arbeitszeitmodelle, Homeoffice

sowie Löhne und Gehälter besonders für Berufe, die sich in den Dienst der

Gesellschaft stellen, müssten angehoben werden. Ebenso sollte unbedingt in

die Gesundheits-, Bildungs- und Familienpolitik investiert werden, um die

Gesellschaft und die Familien mit niedrigem und mittleren Einkommen

stärker zu entlasten. „Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich gegenseitig

respektiert und sich nicht mehr spalten lässt, sondern zusammenhält und für

eine erstrebenswerte Zukunft unserer Kinder die Weichen stellt.“


Gülcan, 49 Jahre alt, Mutter eines 7jährigen Sohnes, Schwerbehinderte,

berichtet, dass ihre Leben durch Homeschooling und Homeoffice eine

wahnsinnige Herausforderung darstellt. „Als gewissenhafte Mitarbeiterin und

Mutter habe ich Schwierigkeiten mit dem Gefühl, allen nicht gerecht werden

zu können. Es ist unmöglich alles im Gleichgewicht zu halten. Somit bleibt die

Gesundheit auf der Strecke.“


Bettina, 43 Jahre, Geschäftsführerin eines Unternehmens mit 20

Mitarbeitern, zweifache Mutter, stellt dar, dass Corona für alle Menschen

eine unglaubliche Herausforderung ist. Für Familien dazu noch eine erheblich

größere mit Homeschooling, der zunehmenden Verunsicherung auch um die

Zukunft der Kinder, deren mögliche psychische Belastung etc. „Hinzu kommt

bei mir persönlich die Sorge um die wirtschaftliche Situation der Firma und

unserer Mitarbeiter, die Belastung durch die Einhaltung der Corona-Regeln,

das Einführen des mobilen Arbeitens, um auch die Gesundheit der

Mitarbeiter zu schützen. Der Spagat zwischen Familie und Beruf hat sich

durch Corona noch einmal - nicht nur bei mir - verstärkt gezeigt. Gleichzeitig

nicht auf die bewährten Betreuungssysteme durch die Omas zurückgreifen zu

können - bei uns mit 2 Teens zu bewerkstelligen, bei Familien mit kleinen

Kindern - kräfteraubend. Und besonders ärgert es mich, dass es keine

adäquate Lösung für die Kinder gibt. Die meisten Lehrer und Schulleiter

geben ihr Bestes, da bin ich sicher. Allerdings werden sie finanziell und

rechtlich von der Politik alleine gelassen. Hier muss schnellstens eine Lösung

her.“


Danke, ihr seid nicht allein. Ihr werdet gesehen, ihr macht eure Arbeit gut.

Wir kämpfen gemeinsam gegen das Virus und finden den Weg in die

Normalität zurück.

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