"Das Gefängnis war eine gute Lektion" - Interview mit Helge Achenbach

Aktualisiert: Mai 21


Herr Achenbach, wo erwischen wir Sie gerade?

Helge Achenbach: In Indien.


Was machen Sie da?

Achenbach: Meine Lebenspartnerin und ich haben eine Studienreise durch das Land gemacht und dabei eine Reihe von Künstlern getroffen. Aus dieser Reise wird sicher ein malerisches Projekt entstehen. Die Unterschiede von Arm und Reich, das Eintauchen in eine 5000 Jahre alte Kultur – es war ein besonderes Erlebnis .


Wie ist der Kontakt zur CDU zustande gekommen?

Achenbach: Durch unsere Arbeit auf dem Kulturhof mit dem Verein „Kultur ohne Grenzen“ haben wir zu allen demokratischen Parteien einen guten, konstruktiven Kontakt entwickelt. Lars Christoph (CDU-Vorsitzender, Anm. d. Red.) war öfter auf unserem Hof.


Mussten Sie lange überlegen, ehe Sie zugesagt haben, auf dem Neujahrsempfang zu sprechen?

Achenbach: Ich war überrascht, dennoch war ich erfreut. Ich kann sicher noch mehr über die aktuelle Situation und über die Zukunft erzählen. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass wir hier in Kaarst auf einem guten Weg sind. Unsere direkten Nachbarn pflegen mit uns eine sehr schöne, fast freundschaftliche Nähe.


Es gibt von einigen Seiten Kritik an ihrem Auftritt bei der CDU. Viele sagen, ein verurteilter Straftäter kann doch nicht bei der CDU sprechen. Wie gehen Sie damit um?

Achenbach: Das kann ich gut nachvollziehen. Selbst ZDF-Moderator Markus Lanz wurde auf einer Veranstaltung in Hamburg hart kritisiert, dass ich in seiner Talkshow zu Gast war. Seine Antwort daraufhin: „Ich habe Helge Achenbach gerne eingeladen. Denn er hat die Strafe abgesessen. Er ist ein spannender Gast und hat viel zu erzählen. Jeder hat eine zweite Chance verdient.“ Mit Blick auf Sonntag spricht es auch für die Offenheit der CDU, einen Neu-Kaarster einzuladen.


Was machen Sie derzeit in Kaarst? Und was haben Sie in Zukunft vor?

Achenbach: Wir sind mit dem Aufbau des Vereins und des Kulturhofs beschäftigt. Es gibt ein paar interessante Künstler, die aktuell unsere Gäste sind. Zehra Dogan wird wahrscheinlich im Frühsommer zu uns kommen. Sie ist die Künstlerin, die von Recep Tayyip Erdogan (Präsident der Türkei, Anm. d. Red.) wegen eines kritischen Bildes für fast drei Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde. Heute ist sie wieder frei. Wir freuen uns auf sie. Wir fühlen uns hier auf dem Hof sehr wohl und haben einige Ideen für die aktive Kulturarbeit in Kaarst und am Niederrhein.


Gibt es schon konkrete Pläne?

Achenbach: Wir planen für 2021 ein größeres Skulpturenprojekt im Dialog von Kunst und Natur. Dazu werden wir im Sommer 2020 ein internationales Symposium veranstalten.


Ist Kaarst zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden?

Achenbach: Ich habe weiterhin in Köln bei Günter Wallraff meinen Erstwohnsitz. Aber ich bin sehr oft in Kaarst. Als Projektleiter arbeite ich rund um die Uhr.


Sie haben bestimmt viele Freunde verloren zu der Zeit, als Sie ins Gefängnis kamen. Haben Sie in Kaarst neue gefunden?

Achenbach: Es haben sich kaum echte Freunde abgewandt, eher die vermeintlichen Freunde. Menschen, die durch meine Arbeit profitiert haben. Aber ich kann es niemand verübeln. Ich bin sogar dankbar. Wie nach einem Gewitter ist die Luft heute viel reiner. Die wahren Freunde sind geblieben. Fast täglich kommen neue Wegbegleiter dazu. Unser Verein freut sich darüber. Es ist beeindruckend, wie viele Kaarster Bürger in der Zwischenzeit zu echten Unterstützern geworden sind. Das ist wie ein Heilbad. Es fühlt sich gut an.


2015 wurden Sie unter anderem wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt, Anfang Juni 2018 kamen Sie frei. Was hat das Gefängnis mit Ihnen gemacht?

Achenbach: Das Gefängnis war eine gute Lektion. Ich wurde bestraft, weil ich einen riesigen Fehler gemacht habe. Die überhöhten Provisionen waren eine unmögliche Tat. Auch wenn ich damals alles verloren habe, kann ich heute wieder aufrecht gehen. Ich habe begriffen, um was es im Leben wirklich geht. Für mich war der Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt heilsam. Mein Gesprächspartner dort war ein kritischer Pfarrer, der mir aber auch Hoffnung gegeben hat. Wie heißt es im Vater unser? „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“


Und heute?

Achenbach: Heute bin ich radikal ehrlich. Ich habe verstanden, dass es um Wahrhaftigkeit und Demut geht. Noch mehr habe ich verstanden, dass es wichtig ist, nein sagen zu können.


Bereuen Sie, was Sie getan haben?

Achenbach: Natürlich bereue ich mein damaliges Handeln. Ich bereue es sogar zutiefst. Ich war töricht. Selbstgefällig. Narzisstisch. Übrigens Muster, die bei Erfolgsmenschen manchmal auftreten, auch in Politik und in Wirtschaft. Diese Muster sehen wir bei manch einem Politiker in Russland, Türkei oder auch in den USA. Da ist manchmal der Schuss vor den Bug hilfreich und heilend.


Quelle:NGZ

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